Die einfache Grundformel für den PV-Jahresertrag
Für eine erste Orientierung lässt sich der Jahresertrag als installierte Leistung in kWp multipliziert mit dem erwarteten spezifischen Ertrag in kWh pro kWp und Jahr ausdrücken. Hat eine Anlage beispielsweise 10 kWp und wird mit 950 kWh/kWp gerechnet, ergibt das modellhaft 9.500 kWh pro Jahr.
Der entscheidende Punkt ist deshalb nicht nur die Anlagengröße, sondern wie belastbar der verwendete kWh/kWp-Wert für den konkreten Standort und die konkrete Dachfläche ist.
Was bedeutet kWh pro kWp?
Der spezifische Ertrag macht Anlagen unterschiedlicher Größe vergleichbar. Er beschreibt, wie viele Kilowattstunden eine Anlage je installiertem kWp in einem Jahr produziert. Ein standortbezogener Wert ist für die Planung deutlich hilfreicher als eine pauschale Deutschland-Zahl.
Für unseren Rechner kann deshalb ein eigener Basis-Ertrag eingetragen werden. Dieser kann beispielsweise aus einer standortbezogenen PVGIS-Berechnung oder aus einer nachvollziehbaren Ertragsprognose des Planers stammen.
PVGIS: standortbezogenen Solarertrag prüfen
PVGIS wird vom Joint Research Centre der Europäischen Kommission bereitgestellt. Das Werkzeug kann für konkrete Standorte unter anderem jährliche, monatliche und stündliche PV-Erzeugung modellieren. Für netzgekoppelte Anlagen fließen dabei Systemparameter und Verluste in die Berechnung ein.
Die aktuelle PVGIS-Generation wird von der Europäischen Kommission parallel zu PVGIS 5 weiterentwickelt. Für die Hausplanung ist vor allem wichtig, die Standortdaten, Anlagenleistung, Neigung, Ausrichtung und Verlustannahmen nachvollziehbar zu übernehmen statt nur einen pauschalen Ertragswert zu verwenden.
Offizielles PVGIS der Europäischen Kommission →
Ausrichtung und Dachneigung
Ein Süddach ist nicht die einzige sinnvolle PV-Fläche. Südost und Südwest können hohe Jahreserträge liefern, während Ost-West-Anlagen die Erzeugung stärker auf Morgen und Nachmittag verteilen. Dadurch kann der zeitliche Verlauf für den Eigenverbrauch interessanter sein, selbst wenn der maximale Jahresertrag geringer ausfällt.
Die Dachneigung wirkt zusammen mit der Himmelsrichtung. Deshalb zeigt unser Rechner nicht nur kWp, sondern einen transparenten Richtungs- und Neigungsfaktor.
Ausrichtung, Neigung und Jahresertrag rechnen →
Verschattung kann wichtiger sein als ein paar Prozent Ausrichtungsunterschied
Bäume, Kamine, Gauben, Nachbargebäude und ein ungünstiger Horizont können den Ertrag einzelner Module oder Strings zeitweise deutlich reduzieren. Eine seriöse Planung sollte deshalb nicht nur die Himmelsrichtung des Daches nennen, sondern die Verschattung im Tages- und Jahresverlauf prüfen.
Besonders bei gegliederten Dächern müssen Modulbelegung, MPP-Tracker und Stringaufteilung gemeinsam betrachtet werden. Ein pauschaler kWh/kWp-Wert kann diese Unterschiede nicht vollständig abbilden.
Systemverluste nicht doppelt abziehen
Kabel, Wechselrichter, Verschmutzung, Temperatur und weitere Effekte führen dazu, dass nicht jede theoretisch verfügbare Solarenergie als AC-Strom am Hausnetz ankommt. PVGIS weist Systemverluste als eigenen Eingabebereich aus und liefert den modellierten Endertrag bereits unter Berücksichtigung der gewählten Annahmen.
Wer einen PVGIS-Endertrag als Basis in einen vereinfachten Rechner übernimmt, sollte dieselben Verluste deshalb nicht ein zweites Mal pauschal abziehen.
Jahresertrag ist nicht dasselbe wie Eigenverbrauch
Eine Anlage kann 10.000 kWh im Jahr erzeugen, ohne dass der Haushalt 10.000 kWh davon selbst nutzt. Entscheidend ist, wann Solarstrom erzeugt wird und wann Haushalt, Wärmepumpe oder E-Auto Strom benötigen. Speicher verschieben einen Teil dieser Energie zeitlich, erhöhen aber nicht den PV-Bruttoertrag.
Eigenverbrauch und Autarkie unterscheiden → · PV + Speicher modellieren →
Warum Monatswerte für Wärmepumpe und E-Auto wichtig werden
Für eine reine Jahresertragsfrage genügt eine Jahreszahl. Sobald aber eine Wärmepumpe, ein Speicher oder flexibles Laden betrachtet wird, ist die zeitliche Verteilung entscheidend. Winter und Sommer liefern sehr unterschiedliche PV-Mengen; eine Jahresbilanz kann die reale Überschneidung von Erzeugung und Verbrauch deshalb überschätzen.
PV + Wärmepumpe monatsweise vergleichen → · Solarstrom fürs E-Auto rechnen →
So prüfen Sie eine Ertragsprognose im Angebot
- Installierte Leistung in kWp prüfen.
- Standort und verwendete Einstrahlungsdaten dokumentieren lassen.
- Ausrichtung und Dachneigung mit der realen Dachfläche abgleichen.
- Verschattung und Horizont separat berücksichtigen.
- Verwendete Systemverluste transparent machen.
- Jahresertrag und spezifischen Ertrag in kWh/kWp ausweisen.
- Eigenverbrauch nicht mit PV-Gesamtertrag verwechseln.